Gewaltprävention

Persönlichkeitsförderung durch Kunstprojekte

Toygiants
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Eingang zum Schloss

Konzept zur Präventionsarbeit in der
AWO Kindertagesstätte "Am Gutshof"

Gewaltvorbeugung und Kunst in Kooperation mit der
Städtischen Galerie Wolfsburg im Schloss Wolfsburg

Das Projekt "Gewaltprävention durch Kunst" startete in unserer Einrichtung in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie im April 2006. Sowohl die - im übrigen sehr bereichernde - Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Wolfsburg im Schloss Wolfsburg als auch das Thema selber sollen fester Bestandteil unserer Arbeit werden.

Anliegen unseres Projektes ist es, Kindern im Rahmen ihrer Entwicklung und Bildung durch Fantasie und Kreativität - Eigenschaften, die für das Leben unerlässlich sind - Möglichkeiten der Lebensbewältigung aufzuzeigen. Ziel ist eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung der Kinder, um Gewalt vorzubeugen, aber auch, sich mit Themen von Gewalt auseinanderzusetzen.

Die Städtische Galerie Wolfsburg bietet darüber hinaus eine Erweiterung des Bildungsspektrums für Kinder an. Die Betrachtung zeitgenössischer Kunst und die Auseinandersetzung mit ihr rufen die unterschiedlichsten Gefühle und Reaktionen auch bei den ganz jungen Betrachtern hervor. In der direkten Umsetzung werden die Gefühle visualisiert und bieten so einen Ansatz zur Bewältigung von Konflikten.
Die Fachkräfte der Kindertagesstätte und die Kunstpädagoginnen der Städtischen Galerie Wolfsburg arbeiten diesbezüglich Hand in Hand.

Die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder und die Entfaltung der Persönlichkeit stellen einen wichtigen Faktor für Lebensfreude und -bewältigung dar. Die Entwicklung des Selbstwertgefühls, der Kommunikationsfähigkeit und Konfliktbewältigung sind Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung und bilden nicht nur die Schwerpunkte unserer Aktivitäten zur Gewaltprävention, sondern sind Inhalte und Ziele unserer pädagogischen Arbeit.

Selbstwertgefühl

Die Ausprägung des Selbstwertgefühls spielt in der Prävention eine große Rolle, da eine starke Persönlichkeit mit hohem Selbstwert kaum für abweichende Verhaltensweisen empfänglich ist (Waibel: Erziehung zum Selbstwert).
Kinder wollen sich als wertvoll erleben. Es ist ein Gefühl, dass sich durch Auseinandersetzung mit der Umwelt entwickelt. Durch aktives Handeln, und nicht allein durch Zuhören, erlangt das Kind ein hohes Maß an Selbstbewusstsein.
Zunächst muss das Kind sich selbst wahrnehmen, sich mit seinen persönlichen Stärken, Schwächen und Fähigkeiten auseinandersetzen, muss Selbsterfahrungen machen. Wer bin ich? Was kann ich? Was mag ich, was nicht?
Die Gefühle, Meinungen und Äußerungen der Kinder ernst zu nehmen, sie zu wertschätzen und das Kind zu ermutigen, bei dem, was es tut, fördert das Selbstwertgefühl.

Kommunikationsfähigkeit

Ist bei einem Kind Selbstbewusstsein vorhanden, ist es in der Lage, mit anderen zu kommunizieren. Den Anderen wahrzunehmen mit seinen Eigenheiten und Bedürfnissen, ihm zuzuhören und sich ihm mitzuteilen, Gegensätzlichkeiten klären, durch verbale Auseinandersetzungen zu eigenen Vorstellungen und Meinungen zu gelangen, sind Ziele einer Kommunikationsfähigkeit. Je höher die Fähigkeit, Gefühle verbal äußern zu können, desto geringer sind Handgreiflichkeiten und Gewaltbereitschaft.

Konfliktfähigkeit

Durch das Miteinander-Verhandeln in Konfliktsituationen erleben die Kinder, dass allein die Lösung von Konflikten als Ziel zu sehen ist und nicht, wer als Verlierer oder Gewinner aus einem Streit hervor geht. Die Kinder werden aufgefordert, ihre Sicht der Dinge zum Streit zu erläutern. Sie erfahren so, dass jeder Mensch seine eigene Sicht der Dinge hat und Situationen unterschiedlich empfindet und damit bewertet. Missverständnisse enden so oft in Handgreiflichkeiten. Der Erfolg ihres Handelns bestärkt sie, Konflikte auf Dauer durch Gespräche zu lösen.

Die Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Wolfsburg

Das Museum und das Schloss, in unmittelbarer Nähe der Kindertagesstätte und des Wohnortes der Kinder gelegen, als natürlicher Erlebensraum für interessante Entdeckungen unter dem Motto „Junge Kunst im alten Schloss“, bietet den Kindern zusätzliche Bildungsprozesse. Durch den Zugang zu und den Umgang mit originalen Kulturgütern werden Kindern Werte von Kultur vermittelt, ihr Weltwissen wird erweitert und sie werden zu eigenen Schöpfungen angeregt. Das Lernen findet ganzheitlich statt, trägt zur Bildung der Sinne und des ästhetischen Empfindens bei.

Im Rahmen einer Event-Kultur kann das Museum als Ort der Besinnung und des Kraftschöpfens, aber auch der Diskussion und der Auseinandersetzung dienen.
Die geplanten Präsentationen der Ergebnisse und ihre Anerkennung stärken das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl der Kinder.

Kinder werden im frühen Alter mit der Einrichtung „Museum“ vertraut gemacht, so dass die oft im Erwachsenenalter bestehenden Schwellenängste durch die Förderung der Teilhabe an Kunst und Kultur gar nicht erst entstehen.

Aufbau des Selbstwertgefühls durch künstlerisches Gestalten

In der Kunsttherapie wird künstlerische Tätigkeit genutzt, um Menschen ausdrücken zu lassen, was sie bewegt. Sie lässt Empfindungen und Gefühle sichtbar werden und schärft die Wahrnehmung über sich selber.
Auch Kindern bietet in der heutigen sehr schnelllebigen Zeit gestalterisches Werken eine Chance zum Innehalten und zum Verarbeiten von Bildern, bietet ihnen in Form künstlerischer Tätigkeiten die Möglichkeit, Eindrücke von Erlebtem auszudrücken und was ihre kleinen Seelen bewegt. Kinder erleben ihre Welt als ein großes Sammelsurium unterschiedlichster Eindrücke, und im Gegensatz zu Erwachsenen können Kinder diese Mengen an vielfältigen Eindrücken nicht beiseite legen, egal ob es sich um angenehme oder unangenehme Eindrücke handelt.
Alles ist heute schneller und lauter, das Leben ist hektischer geworden für die Kinder. Sie werden oft unruhig und zappelig ob der täglichen Eindrücke, die sie nicht mehr in der Lage sind zu verarbeiten, die Aufmerksamkeit und Konzentration lassen nach. Überschüssige Energien sammeln sich an und äußern sich unter Umständen durch Wutausbrüche.

Wolfgang Bergmann kommt in seinem Buch „Gemeinsam gegen Gewalt“ zu der Erkenntnis, dass die Gefühle von Kindern von Seiten der Erwachsenen häufig nicht wahrgenommen werden und sie aufgrund des hektischen Lebens keine Möglichkeit mehr besitzen, sich tröstende Wunschwelten zu entwerfen, zu fantasieren. Denn wer keine reiche innere Landschaft hat, kein Seelengelände, in das er sich bei Bedarf zurückziehen kann, der findet sich auch in der Außenwelt nicht zurecht.

Zitat:
„Bei schweren Gewalttaten lesen wir oft in der Zeitung, dass die jugendlichen Straftäter vor Gericht noch gelacht hätten, dass sie ungerührt wirkten. Das ist nicht nur eine Maske. Sie sind es tatsächlich, aber warum sind sie so?
Sie hatten nie die Möglichkeit, sich seelisch so zu entwickeln, dass sie ihre Beziehungen zur Außenwelt, zu anderen Menschen, zu Gruppen, zur Arbeit als bereichernd empfanden. Weil sie nie gelernt haben, Wünsche und Visionen zu haben und sie anschließend in der Außenwelt zu realisieren. Sie haben auch nie gelernt, mit Einschränkungen, Frustrationen und Ablehnungen umzugehen und Kompromisse als positiv und ermutigend zu erleben ... Für einen großen Prozentsatz der modernen Kinder scheint diese innere Leere ein ganz normaler Zustand zu sein ... Wir müssen gemeinsam mit den Kindern das Fantasieren lernen, die Visionen üben.“

Zum einen kann der Umgang und die Bearbeitung von Werkstoffen Kindern in der Verarbeitung von Umwelteindrücken und Emotionen helfen, zum anderen kann uns das Kind anhand seiner Werke und des Umganges damit Aufschluss geben über seine eigenen Befindlichkeiten (anzumerken sei, dass wir keinen therapeutischen Ansatz in der Arbeit verfolgen). Die Kinder werden durch die Begleitung von Pädagogen angeregt, anhand von unterschiedlichen Werkstoffen eigene Kunstformen zu entwickeln. Sie werden zum Beispiel ermuntert und ermutigt durch Angebote wie Traumreisen, Philosophieren, Entdeckungsreisen in der Natur, anhand von Betrachtungen der Kunstwerke in den Ausstellungen der Städtischen Galerie Wolfsburg etc., eigene Visionen entstehen zu lassen und diese künstlerisch umzusetzen und darzustellen.
Je tiefer und konzentrierter ein Kind in seiner Arbeit versinkt, desto ausgeglichener wird es sein. Je schöpferischer und eigentätiger das Kind sein kann, desto zufriedenen ist es. Wenn es etwas Eigenes erschaffen hat, fördert dies das Selbstbewusstsein.
Bei dem Projekt lernen die Kinder Galerien als einen Ort der Besinnung, des Abschaltens vom Alltag, des zur Ruhe kommens kennen. Sie bietet ihnen Anregungen zum Selbstschaffen und Umsetzen eigener Werke. Der Künstler wird unter Umständen zum neuen Vorbild, ein Pendant zu Power-Ranger und Co..

Kinder leben heute oft in einem materiellen Überfluss oder befinden sich in finanzieller Not. Beide Zustände machen auf Dauer nicht glücklich und können zur Destruktivität und zur Langeweile führen und bergen damit eine verborgene Tendenz zur Gewalt.
Im Kindergarten und in der Städtischen Galerie Wolfsburg lernen Kinder Alternativen, kreative künstlerische Betätigung kennen. Sie lernen Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Im Atelier der Kindertagesstätte und in den Kreativecken der Gruppen haben die Kinder Zugang zu den unterschiedlichsten Materialien wie Farbe, Knete, kostenlosem Material, unterschiedlichen Papiersorten usw.. Hier können sie sich im Malen, Basteln und plastischen Gestalten selbst erproben. Gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften lernen sie die unterschiedlichen Techniken kennen und ausprobieren und erwerben Kenntnisse im Umgang mit verschiedensten Werkstoffen.
Dass auch jeder Künstler sich auf bestimmte Techniken und Materialien konzentriert und um welche Techniken es sich handelt, dieses Wissen wird ergänzt durch die Besuche und die Begleitung von Kunstpädagogen von Ausstellungen in der Städtischen Galerie Wolfsburg. Darüber hinaus haben die Kinder in der Bürgerwerkstatt des Schlosses die Möglichkeit, unter Anleitung der Kunstpädagogen des Schlosses sich ebenfalls mit bestimmten Materialien auszuprobieren und erhalten auch hier Anregungen zu kreativen Prozessen.
Fantasie und Kreativität - Eigenschaften, die für das Leben unerlässlich sind.
Da Kinder offen für Neues sind und nachahmen wollen, erfahren sie Kunst auf Dauer als eine mögliche sinnvolle Freizeitbeschäftigung.

Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“, es gibt kein „nicht Schön“, wenn die kleinen Kunstwerke entstehen. Bewertung wird vermieden, da das Kind seine Vorstellungen verwirklicht und so Freude und Zufriedenheit bei und durch sein Tun erfährt. Bewertungen mindern oftmals das Selbstbewusstsein eines Kindes und gerade Kinder, denen der Umgang mit dem Stift und das gegenständliche Darstellen schwer fallen, bietet der Umgang mit unterschiedlichen Techniken die Möglichkeit, Erfolgserlebnisse zu erzielen. Diese Arbeitsergebnisse, gerahmt und ausgestellt, erleben die Kinder als wertschätzend und bestärken das Selbstwertgefühl.

Durch die Ausstellungen in der Städtischen Galerie Wolfsburg erfahren Kinder die gleiche Wertschätzung den Künstlern gegenüber. Für Kinder sind die Biografien von Künstlern sehr spannend und erweitern ihren Bildungshorizont. Sie erfahren, dass Künstler einen schwierigen Weg, manche beispielsweise in Armut, hinter sich haben, bis man ihnen die entsprechende Anerkennung zollte, ihre Werke verstand und anerkannte, dass diese Künstler sich aber nie haben beirren lassen, ihren Weg gegangen sind, an sich selber glaubten.
Lebensgeschichten dieser Art können Kindern Mut machen, wenn sie sich selber als Außenseiter erleben. Die Gründe sind vielschichtig: sie werden in der Familie mit ihren Bedürfnissen nicht wahrgenommen, sie können durch Armut materiell nicht mithalten, sie sind ausländischer Herkunft, leiden unter Behinderungen usw..
Sich in eine Gruppe zu integrieren ist ein elementares Bedürfnis eines jeden Menschen. Wenn Kinder sich von anderen nicht angenommen fühlen, neigen sie oftmals zu auffälligem bis zu aggressivem Verhalten.
Lebensgeschichten können in der Kindertagesstätte Ausgangspunkt zu Angeboten werden, wenn es darum geht, Kinder, die Außenseiter sind oder sich so fühlen, in die Gruppe zu integrieren.

Von der Betrachtung von Kunstwerken zur Kommunikationsfähigkeit

Kunst ermöglicht den Ausdruck eigener Gefühle und die Weitergabe von Erfahrungen an andere.

Kinder kommen bei der Betrachtung der eigenen Werke mit anderen über deren Entstehung ins Gespräch und üben sich dabei in ihrer Ausdrucksweise. Sie lernen eigene Gefühle und Empfindungen wahrzunehmen und den Mut aufzubringen, diese vor allen zu äußern. Kinder und Fachkräfte zollen ihnen durch das Interesse an ihrer Arbeit gleichzeitig Lob und Anerkennung.

In der Städtischen Galerie Wolfsburg werden die Kinder bei der Betrachtung künstlerischer Werke aufgefordert, eigene Interpretationen von Bildern und Werken vorzunehmen. Die kleinen Betrachter entwickeln eigene und gemeinsame Geschichten zur Entstehung der Kunstwerke. Sie lernen auszuhalten, dass es konträre Meinungen, Ansichten und Vorstellungen gibt und die der anderen zu akzeptieren.
Die Betrachtung von Bildern und Kunstwerken und die geführten Gespräche über deren Inhalte, egal ob es die eigenen, die der anderen oder die einer Ausstellung betrifft, fordert auf zu Toleranz und Akzeptanz gegenüber dem Künstler und bei dem, was er sich bei dem Entwurf gedacht hat, und dem Betrachter und seiner eigenen individuell wachgerufenen Gefühle und Empfindungen.

Von der Betrachtung zur Konfliktfähigkeit

Kunstwerke in der Städtischen Galerie Wolfsburg werden Ausgangslage zu Gesprächen über Konfliktsituationen und -lösungen. Durch aufmerksame Bildbetrachtungen in der Galerie forschen die Kinder nach Bildern mit zwischenmenschlichen Themen und berichten über Zusammenhänge der sich bietenden Szenen. Durch das Nachstellen der Situationen werden sie angeregt, die Situationen zu analysieren und gemeinsam nach Konfliktlösungen zu suchen und zu finden.